Was sind Studentenverbindungen?
Der bessere Begriff ist hier Studentenverein, denn Verbindungen sind in erster Linie wie ganz normale Vereine aufgebaut. Es gibt Mitglieder die in regelmässigen Abständen einen Vorstand wählen (hier: jedes Semester), der dann für dieses Semester für die Planung und Durchführung der Verbindungsveranstaltungen verantwortlich ist und auch die Convent (= Vereinssitztungen) leitet. Die Ämter sehen fast genauso wie bei jedem anderen Verein aus, es gibt einen Senior/X (= Präsident), einen Schriftführer, einen Kassierer, einen stellvertretenden Senior und jemanden der sich um neue Mitglieder kümmert (Fuxmajor).
Was für Veranstaltungen gibt es?
So ziemlich alles was man sich vorstellen kann. Ganz normale Parties, Mottoparties, Wanderungen, Vorträge, Führungen, traditionelle Veranstaltungen, etc. Am besten man guckt mal in die Semesterprogramme rein um einen groben Überblick zu kriegen.
Was ist der Unterschied zu einem Fussballverein?
Oder halt der Unterschied zu anderen Vereinen. Der wichtigste Unterschied ist wohl dass man in eine Studentenverbindung im Allgemeinen auf Lebenszeit eintritt, also auch nach erfolgreichem Studium noch dem Verein angehört (Alter Herr) und einen guten Draht zu den noch Studierenden (Aktiven) hat. Auch unterstützen die "Ehemaligen" finanziell die Verbindung damit die Aktiven genauso eine schöne Studienzeit haben wie sie
Warum sollte man das machen wollen?
Das ist eine Frage die jeder für sich selber beantworten muss. Im Vordergrund steht die schöne Zeit mit den anderen Aktiven und die Veranstaltungen, bzw. allgemein Dinge zu unternehmen und auf die Beine zu stellen die man sonst im Alleingang im Studium halt nicht machen würde. Wenn man dann mit dem Studium fertig ist ist es auch schön trotzdem noch Kontakt zu seinen alten Kommilitonen zu haben und einen gemeinsamen Anlaufpunkt zu besitzen, an dem man auch mitkriegt wie die Studenten heutzutage so drauf sind, bzw andersrum wie vor z.B. 40 Jahren studiert wurde.
Die Frage kann man also so nicht beantworten da jeder etwas andere Gründe hat.
Wie ist das mit der Tradition, dem Biertrinken und dem Liedersingen?
Natürlich gehört ein gutes Stück Tradition zu Studentenverbindungen, von denen die meisten schon seit über 100 Jahren bestehen und das obwohl der Rahmen der aktiven Mitglieder immer im Raum von 10-30 Leuten war. Dass man zu feierlichen Anlässen (oder auch mal so) sein Liederbuch auspackt und ein paar Lieder singt ist auch ganz normal, die meisten Lieder handeln dabei vom Studentenleben oder sind etwas anspruchsvollere Trinklieder. Das Biertrinken übrigens ist auch ein fester Bestandteil der Tradition was sich in vielen Begriffen und Ritualen wiederfindet, jedoch ist es nicht (mehr?) so dass man Alkohol trinken muss um überhaupt in einer Verbindung zu sein.
Ich hab gehört dass Verbindungen sexistisch sind und sich gegen Minderheiten richten
Nun ja, die meisten Studentenverbindungen sind halt ausschliesslich für Männer, so wie der Fussballverein halt auch. Und deswegen gibt es auch extra Studentenverbindungen für Mädels, so wie beim Fussballverein halt auch. Wenn man das jetzt als sexistisch bezeichnen will dann weiss ich auch nicht.
Was die anderen Aufnahmekriterien bei Verbindungen angeht so gibt es Unterschiede. Natürlich gibt es Verbindungen die nur Deutsche aufnehmen oder Leute die gedient haben, das ist allerdings die Minderheit, und so bedeutet heutzutage "Katholischer Studentenverein" auch nicht mehr dass man katholisch (oder christlich) sein muss um da mitzumachen. Auch Ausländer haben im Allgemeinen kein Problem.
Studieren Verbindungsstudenten im Allgemeinen nicht viel länger?
Aus eigener Anschauung kann ich hier nur sagen dass der Anteil der Langzeitstudenten dem der gesamten Studierendenschaft entspricht. Und auch Leute die ihr Studium in Rekord/Regel-Zeit durchziehen gibt es in Verbindungen, es ist nicht so als müsste man das eine vernachlässigen nur weil man etwas anderes macht, solange man halbwegs organisiert ist
Partei XY hat gesagt dass Verbindungen Seilschaften sind
Yep, da ist sicherlich was dran. Und das ist denke ich ganz natürlich. Wenn jemand eine Firma leitet, was spricht dagegen jemanden einzustellen den man schon länger kennt, mit dem man studiert hat und den man wegen seines Engagement und seiner Organisationsfähigkeiten schätzt. Wenn Partei XY leugnet dass das in den eigenen Reihe auch so läuft dann ist das einfach albern. Ausserdem: Verbindungszugehoerigkeit ersetzt in keinster Weise Kompetenz, Seilschaften hin oder her. Wer in der Uni keine Leistung gebracht hat, kann auch nur schwer durch einen alten Herren in irgendwelche Positionen gehievt werden.
Was haben die Verbindungen hier mit denen aus amerikanischen Filmen zu tun?
Kurz: Absolut nichts.
Lang: Nichts. Weder Quälen wir die Leute die bei uns mitmachen wollen, noch haben wir 3-Buchstaben-Kürzel als Namen noch sind wir finanziell so gut gestellt wie man das in Filmen immer sieht. Und eigenen Jacken mit unserem Logo haben wir auch nicht, leider
Wo erfahr ich mehr?
Bei Wikipedia gibt es das Portal zu Studentenverbindungendas seeehr ausführlich und halbwegs objektiv gehalten ist. Wer sich für das Thema interessiert sollte da anfangen.
So, ich hoffe das war schonmal ein guter Anfang, wer hat noch Fragen hat oder findet dass ich was falsch formuliert hab möge Antworten und ich werde das mit in den Post einarbeiten.

