Fast Diplom -> kann aber noch nichts ??

Allgemeines rund um's Informatikstudium an der RWTH Aachen
[StuBe] Mails aus dem Verteiler der Studienberatung Informatik

Beitragvon Michel » 13.08.08 14:55

Meisterbrau hat geschrieben:Mir ging es da schon um die mittel- bis langfristige perspektive, und die aufstiegschancen sind nunmal mit nem abschluss deutlich besser als ohne. Klar, während und die ersten Jahre nach dem Studium würd ich auch programmieren, insbesondere wenn sich sonst nichts findet, aber als längerfristiges Berufsziel muss da in meinen Augen einfach ne gehobene Position sein.


Ah, dann hab ich Deine Äußerung falsch aufgefasst. Es ist sicherlich so, dass ein Studium normalerweise mit gewissen Ambitionen einhergeht. Woher soll man sonst die Motivation für die Fächer nehmen, denen man so gar nichts abgewinnt... Insofern sind Studierte vermutlich öfter an einer monoton steigenden Karriere interessiert als anders ausgebildete.

Meisterbrau hat geschrieben:Klar, während und die ersten Jahre nach dem Studium würd ich auch programmieren, insbesondere wenn sich sonst nichts findet, aber als längerfristiges Berufsziel muss da in meinen Augen einfach ne gehobene Position sein.


Natürlich kann eine Position mit Management-Kompetenzen erstrebenswert sein. Für mich selbst schließe ich das auch nicht aus, aber hier klingt eine gewisse Abwertung für das Programmieren an sich durch. Das sehe ich anders, auch wenn es sich vielleicht nicht mit den Stellenbeschreibungen höher bezahlter IT-Jobs deckt. Während meiner Tätigkeit hatte ich auch Gelegenheit, mit einer "Inder-IT"* zu arbeiten, die ein Amerikanischer Konzern in Singapur eingerichtet hat, um billiger "zu produzieren". (Was für ein Ausdruck? Das klingt in meinen Ohren, wie wenn der Diogenes-Verlag Autoren aus der dritten Welt schreiben ließe, weil sie "billiger produzieren"...) Spätestens dort habe ich gemerkt, dass Masse statt Klasse in der Software-Entwicklung nicht unbedingt funktioniert. Anders gesagt: Für Software erster Güte braucht man auch Entwickler erster Güte. Donald Knuth's Buch heißt nicht umsonst "The Art of Computer Programming" und nicht etwa "The Mundane, Stunningly Boring Chore of Computer Programming" :)

Wer einfach gerne Software entwickelt und sich nichts daraus macht, durch die Etagen nach oben zu wandern, braucht sich jedenfalls nachher nicht wie ein Verlierer vorzukommen. Erfolgreiche Softwareentwickler kommen oft als Berater bei großen Firmen unter, wo sie viel mehr Freiheiten (und ein höheres Gehalt) genießen als Festangestellte. Der Grund ist, dass oft ein großes Team nicht schneller ist als eine Handvoll erfahrener Entwickler. Insbesondere gilt das für Leute, die sich in quelloffenen Projekten einen Namen gemacht haben. Man denke nur an die Firefox-Entwickler, von denen viele jetzt für Google arbeiten. Ein Bekannter von mir hat nebenher viel für das Boost/C++-Projekt gemacht und ist aktuell als Consultant bei T-Mobile tätig.

Und dann wäre da noch die akademische Karriere, da wurde hier bisher nicht viel zu gesagt. Hier hängt es vermutlich sehr stark vom LuFG ab, ob man viel selbst programmiert oder eher nicht.


* nichts gegen Inder! Das Problem ist, dass sie in diesem Fall, wie so oft beim outsourcing, nur nach Kostengesichtspunkten ausgewählt und als austauschbare Arbeitskräfte betrachtet wurden.
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Beitragvon kb » 14.08.08 00:09

jep, stimmt. Ein Kommilitone meines Vaters hat seiner Zeit auch viel mit C++ programmiert, gute Studentenjobs bekommen, später bei Siemens & co gearbeitet, dann selbstständig geworden und programmiert hier und da mal für Summen im mindestens 6-stelligen Bereich.

Man kann in Allem erfolgreich sein, wenn man gut genug ist (von Vitamin B mal abgesehen).
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