Fast Diplom -> kann aber noch nichts ??

Allgemeines rund um's Informatikstudium an der RWTH Aachen
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Re: Fast Diplom -> kann aber noch nichts ??

Beitragvon koalabaer26 » 10.07.08 11:08

sumpfmensch hat geschrieben:Außerdem geht es in der Uni ja eher darum allgemeine, abstrakte Denkweisen und Vorgehensweisen zu erlernen, die man dann auf die Situation anpassen kann.


Und jetzt noch ein kleines Anwendungsbeispiel:
Klar - ein ausgebildeter "Programmierer" beherscht zwar auswendig viele Javafunktionen. Ein Studierter kann da möglicherweise nicht mithalten, aber was ist in 10 Jahren, wenn das Java 1.6 (oder was auch immer), welches der ausgebildete kann, veraltet ist und es keiner mehr verwendet? Dann muss der wieder ganz von vorne lernen. Wir hingegen kennen eh "nur" die abstrakten Ideen dahinter und mussten die Funktionen sowieso jedes zweite Mal wieder nachgucken, haben daher aber auch keine Probleme.


Sicher ist es mir bewussst, dass an der uni abstrakte Denkweise und co. im Vordergrund steht. Der Stoff ist ja so konzipiert, dass man nach jeder Studiumteilphase automatisch in die abstrakte denkweise und den kern der informatik hineinschwimmt.

Tatsache bleibt aber nun mal, dass für die meisten berufe eh nur das Wesentliche verlangt wird, ihr wisst was ich mit das wesentliche meine. Es sei denn, man bleibt weiterhin an der uni und macht Forschungen. Und da der zweite Fall bei mir -vielleicht auch bei vielen anderen- ja gar nicht in Frage kommt(bin heil froh, wenn ich weg von Uni bin, finde Uni nicht als einzigst spannender Ort dauerhaft zu bleiben), war meine Sorge eher auf das bezogen, wenn man nachher auf die Berufswelt taucht.

Vielleicht hätte ich wirklich ne Fachinformatier-Ausbildung machen sollen, na ja.. ist passiert, nicht gut durchdacht, hab damals meine Ausbildungsplanung sehr vom guten Ansehen und Neugier auf persönliche Fähigkeit orientieren lassen. Gut dass es bisher noch Spaß macht(vor allem wenn die Klausurergebnisse vorliegen, hehehee).

Danke für Eure Meinungen.

Gruss aus der Nachbarschaft,

ich weiss es jetzt, ich bin kein Bär
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Re: Fast Diplom -> kann aber noch nichts ??

Beitragvon HE » 10.07.08 11:38

koalabaer26 hat geschrieben:Tatsache bleibt aber nun mal, dass für die meisten berufe eh nur das Wesentliche verlangt wird, ihr wisst was ich mit das wesentliche meine.


Ich glaube du weißt nicht, was in Berufen, in denen Diplom-Informatiker arbeiten sollen, wirklich eine Rolle spielt. Die wesentliche Aufgabe ist nicht das Programmieren, sondern das Entwickeln und Anpassen von Konzepten - dafür bereitet das Studium relativ gut vor. Die ganzen Details, die für den konkreten Job (und nur für den und eng verwandte) relevant sind, musst du lernen, wenn du da bist.

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Re: Fast Diplom -> kann aber noch nichts ??

Beitragvon koalabaer26 » 10.07.08 12:03

HE hat geschrieben:Die wesentliche Aufgabe ist nicht das Programmieren, sondern das Entwickeln und Anpassen von Konzepten


Äärrr... ich kenne EINIGE Informatiker, sie haben auch an der uni studiert, die programmieren aber tagtäglich nur noch. Oder sie arbeiten als Systemadmin, pflegen die Datenbank. Mhh.. sie haben mir wohl Mist erzählt, sind bestimmt höchstens FH-Absolventen. Solche Aufgaben sind Uni-Informatikern ja viel zu unwürdig.
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Re: Fast Diplom -> kann aber noch nichts ??

Beitragvon Neronus » 10.07.08 12:43

koalabaer26 hat geschrieben:
HE hat geschrieben:Die wesentliche Aufgabe ist nicht das Programmieren, sondern das Entwickeln und Anpassen von Konzepten


Äärrr... ich kenne EINIGE Informatiker, sie haben auch an der uni studiert, die programmieren aber tagtäglich nur noch. Oder sie arbeiten als Systemadmin, pflegen die Datenbank. Mhh.. sie haben mir wohl Mist erzählt, sind bestimmt höchstens FH-Absolventen. Solche Aufgaben sind Uni-Informatikern ja viel zu unwürdig.


Nein, aber dafuer braucht man kein Diplom. Ist doch toll, wenn die Absolventen das auch koennen. Aber dafuer haetten sie nicht die Semester in der TH verbringen muessen.
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Beitragvon heipei » 10.07.08 13:59

Naja, es gibt solche und solche Systemadmins. Hier im Rechenzentrum sind die meisten Aufgaben auch systemadministrativer Natur, aber trotzdem haben viele Mitarbeiter einen Universitaetsabschluss, der fuer die Tragweite und den Planungsaufwand mancher Projekte auch noetig ist. Ob du fuer das Rechnernetz einer Waldorfschule oder einer Hochschule wie der RWTH zustaendig bist ist also doch ein Unterschied ;)
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Re: Fast Diplom -> kann aber noch nichts ??

Beitragvon Meisterbrau » 10.07.08 14:22

koalabaer26 hat geschrieben:
HE hat geschrieben:Die wesentliche Aufgabe ist nicht das Programmieren, sondern das Entwickeln und Anpassen von Konzepten


Äärrr... ich kenne EINIGE Informatiker, sie haben auch an der uni studiert, die programmieren aber tagtäglich nur noch. Oder sie arbeiten als Systemadmin, pflegen die Datenbank. Mhh.. sie haben mir wohl Mist erzählt, sind bestimmt höchstens FH-Absolventen. Solche Aufgaben sind Uni-Informatikern ja viel zu unwürdig.


"unwürdig" ist das falsche wort. aber ich z.B. sage ganz klar: ich studiere nicht an der RWTH um nachher coding monkey zu sein.
Ich hab da grad mal beispielhaft ein stellenangebot gegoogelt:
http://www.stellenanzeigen.de/stellenanzeige/282426.htm

Betrachten wir mal die anforderungen:
1. Abgeschlossenes Studium der Fachrichtung Informatik, Elektrotechnik oder ähnlicher Ausrichtung bzw. durch mehrjährige Berufserfahrung erworbene, gleichwertige Fachkenntnisse
=> Studium, check.
2. Sehr gute Kenntnisse des Requirements-Management-Tools DOORS sowie Erfahrung in der Entwicklung von DOORS-Erweiterungen mit DXL
=> Nun gut, spezifische kenntnisse gefordert. Hat man oder hat man nicht, aber sowas gibts im endeffekt immer. Mal ist C++, mal .Net, mal eben doors gefordert. nehmen wir einfach mal an, das man doors kennt.
3. Gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift
=> Heutzutage wird sowas im IT Bereich wahrscheinlich nur noch aus formalen gründen bei stellenanzeigen dazugeschrieben, es ist eigentlich selbstverständlich und wird auf praktisch jeder IT Stelle gefordert bzw in der arbeitswelt allgemein. check.
4. Ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit, Kundenorientierung, Teamgeist und Innovationsfähigkeit
=> Softskills, sollte man durch seminararbeiten (falls in gruppen erarbeitet) oder einfach durch soziale kontakte (z.B. im hochschulsport) sowieso haben. check.

Zusammenfassung: Ein Stellenangebot, dass perfekt auf einen Hochschulabsolventen passt - sofern man DOORS kennt -, insbesondere da durch, das explizit keine Berufserfahrung gefordert ist, man könnte also direkt nach der Uni einsteigen.

Sooooo, und jetzt gucken wir uns mal an, was der Entwickler denn im Job tun müsste:
1. Entwicklung und Wartung von DOORS-Erweiterungen mit DXL (DOORS Extension Language) zur Vereinfachung der Informationseingabe, Sicherstellung der Datenintegrität, Erzeugung von Dokumentationen, Bewertung des Projektfortschritts und zum Datenaustausch mit anderen Requirements-Management-Tools sowie mit Office-Tools über OLE-Automatisierung
=> hier sind programmierkenntnisse sicher gefordert (in dieser DXL), um z.B. den projektfortschritt zu bewerten. Möglich, dass man hier auch selber programmieren könnte oder vielleicht sogar muss.

2. Erstellung detaillierter Anforderungsspezifikationen für die Erweiterungen auf Basis einer Grobspezifikation von internen Kunden
=> programmierkenntnisse wiederum nötig, um die spezifikationen festzulegen. selber programmieren? Eher nicht.

3. Schulung und Beratung der Projektmitarbeiter in Bezug auf die Anwendung von DOORS und der DOORS-Datenbank (Module, Attribute, Views, Trigger etc.)
=> spezifische kenntnisse von doors nötig, allgemeine programmierfähigkeiten hilfreich - selber programmmieren? wieder fehlanzeige

4. Erstellung von Testvorschriften, Realisierungsbeschreibungen und Benutzerdokumentationen
=> programmierkenntnisse bei der dokumentationserstellung hilfreich, aber nicht zwingend notwendig. selber programmieren? nix.

Fazit: als Teamleiter, Entwickler etc, und dass sind die positionen, auf die man hier hinstudiert, wird man zum einen kaum noch die Zeit haben, selbst zu programmieren aufgrund der vielen anderen dinge um die man sich kümmern muss, zum anderen möchte ich wieder die aussage eines profs ranziehen: Als Softwaredesigner macht man eben genau was der name sagt: man denkt sich software aus, deren spezifikationen, fähigkeiten, schnittstellen etc. Die eigentliche programmierarbeit nimmt einem in den meisten fällen jedoch jemand anders ab.
Und das ist auch gut so. Mich würde es nämlich ehrlich gesagt einfach ankotzen, wenn ich nach nem teuren hochschulstudium an ner "elite" technischen hochschule als coder einfach nur die vorgaben eines anderen runter programmieren muss und keine mitsprachemöglichkeit bei der tatsächlichen entwicklung neuer software habe. wäre das mein ziel würde ich die Zeit an der Rwth tatsächlich als verschwendete Jahre und Euronen bezeichnen.[/list]
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Beitragvon MaoDelinSc » 10.07.08 14:38

wyverex, der Weiße hat geschrieben:Uni bedeutet - wie bereits andere erwaehnten - vor allem zu lernen wie man lernt bzw. sich in Sachverhalte einarbeitet.


Naja, nicht wirklich... Die Uni überprüft ja nur, ob man das kann, sich das anzulernen... Das Lernen wird einem (also in den ersten beiden Semestern zumindest) nicht beigebracht... Ist doch wie in der Oberstufe... Hier ist der Stoff und das lernen könnt ihr alleine, seid ja keine Fünftklässler mehr... nur dass der Unistoff halt etwas anspruchsvoller als der Schulstoff ist... Aber Lernen wird nicht gelehrt... nur überprüft...

Hab bis jetzt Progra, Datenstrukturen, FoSAP und Logik an Informatikfächern gehabt und außer in Logik noch nicht besonders viel gelernt... gemessen an dem Jahr, das wir Zeit hatten...

Progra: Java war neu für mich, aber Vererbung, Rekursion, UML und der ganze Billigkram war mir ausm Info Grundkurs schon bekannt (halt mit Delphi statt Java aber oh welch Umstellung^^)... Na gut, Haskell und Prolog war was neues, aber die Prologbeweisbäume z.B. waren ja echt einfach und Pattern Matching leicht vorstellbar... das System, das hinter Prolog steckte, war was ungewohnt... super, hab was gelernt :)

DaStru: Bäume, Graphen, Sortieralgorithmen, Komplexität und Aufwandsabschätzungen... alles schon bekannt, neu waren nur die Rot-Schwarz-Bäume, B-Bäume, deren insert und delete algorithmen und die Algorithmen auf den Graphen... wenigstens etwas gelernt :)

FoSAP: EBNF kannten wir ja aus Progra, also die formalen Systeme quasi auch schon, neu waren verschiedene Typen von Grammatiken; die Automaten aus der Schule, aber hier auch neue Konzepte und die Prozesse waren ganz neu: dieses Fach hat es (auch wenns nicht schwer war) gebracht, ich hab gut was gelernt! :)
Was macht man, wenn man ein ungelöstes Problem hat?
Man gibt ihm einfach einen Namen!

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Re: Fast Diplom -> kann aber noch nichts ??

Beitragvon Miss*Sunflower » 10.07.08 15:26

[quote="koalabaer26"]
Ich meine etwas, was wirklich für "normale" Berufseinsätze wichtig sind, wie Programmieren u.ä, doch nicht diese LA-oder AfI-Sachen. Für mich sind die ja sowas von unwichtig, die habe ich nur gemacht, weil ich musste. Daher zählen sie für mich nicht als das, was ich drauf hab.
[quote]

Wie Jens schon gesagt hat, sowas wirst du letztendlich nur erfahren, wenn du arbeitest. Sei es an einem Lehrstuhl oder ein Praktikum in einer Firma machst. Da kannst du sehen, was du im Job später machen musst.

Was du an der Uni lernst ist an das problemorientierte Denken. Du lernst, wie du an Sachen rangehen musst um sie zu lösen. Hier waren es Beweise udn Aufgaben, später werden es Projektumsetzungen etc. sein.

Ich bin immer wieder erschrocken, dass Leute denken Dipl.-Inf. = Programmierer. Eigentlich sollte man den Leuten diese Vorstellung schon im 1. Semester nehmen!
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Beitragvon wyverex, der Weiße » 10.07.08 15:33

MaoDelinSc hat geschrieben:
wyverex, der Weiße hat geschrieben:Uni bedeutet - wie bereits andere erwaehnten - vor allem zu lernen wie man lernt bzw. sich in Sachverhalte einarbeitet.


Naja, nicht wirklich... Die Uni überprüft ja nur, ob man das kann, sich das anzulernen... Das Lernen wird einem (also in den ersten beiden Semestern zumindest) nicht beigebracht... Ist doch wie in der Oberstufe... Hier ist der Stoff und das lernen könnt ihr alleine, seid ja keine Fünftklässler mehr... nur dass der Unistoff halt etwas anspruchsvoller als der Schulstoff ist... Aber Lernen wird nicht gelehrt... nur überprüft...


Ich hab nicht gesagt, dass die Uni lehrt wie man lernt. Durch den Anspruch und die Menge des Stoffs in der Uni, lernt man zwangslaeufig zu lernen. Und das auch auf einem anderen Niveau und in einer anderen Geschwindigkeit als in der Schule bzw. Oberstufe.
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Beitragvon Miss*Sunflower » 10.07.08 19:24

wyverex, der Weiße hat geschrieben:
MaoDelinSc hat geschrieben: Das Lernen wird einem (also in den ersten beiden Semestern zumindest) nicht beigebracht... Ist doch wie in der Oberstufe... Hier ist der Stoff und das lernen könnt ihr alleine, seid ja keine Fünftklässler mehr... nur dass der Unistoff halt etwas anspruchsvoller als der Schulstoff ist... Aber Lernen wird nicht gelehrt... nur überprüft...


Ich hab nicht gesagt, dass die Uni lehrt wie man lernt. Durch den Anspruch und die Menge des Stoffs in der Uni, lernt man zwangslaeufig zu lernen. Und das auch auf einem anderen Niveau und in einer anderen Geschwindigkeit als in der Schule bzw. Oberstufe.


Wenn man Probleme hat zu lernen, dann gibt es von der allgemeinen Studienberatung auch immer mal wieder den einen oder anderen Kurs dazu oder man fragt einfach mal "ältere Semester", wie diese erfolgreich lernen und bastelt sich so seine eigene Methoden zusammen.
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Re: Fast Diplom -> kann aber noch nichts ??

Beitragvon kb » 11.07.08 17:16

koalabaer26 hat geschrieben:Tatsache bleibt aber nun mal, dass für die meisten berufe eh nur das Wesentliche verlangt wird, ihr wisst was ich mit das wesentliche meine.
Ah, ich liebe diesen Satz. Geh doch mal zu all den verschiedenen Bonding Firmenkontakt-Messen, IT-Konferenzen oder sonstigen IT-Messen in Deutschland. Du wirst überrascht sein, was es alles für Anwendungsgebiete gibt, von denen du noch nie gehört hast...und das allein hier in Deutschland.
Professoren (übrigens auch ein Beruf, der nach Uni-Diplom kommen könnte ;]) haben i.d.R. auch viele Beziehungen und ein breites Wissen, was mögliche Einsatzgebiete bzw. Berufsmöglichkeiten angehet. Kann man ja auch mal nachfragen.

Im Übrigen sagt "die meisten" nicht viel aus. Natürlich kann man nicht davon ausgehen, dass die meisten Berufe unterschiedlicher Art sind. Schließlich gibt es ja jede Menge Azubis, FH-Absolventen oder andere praktisch orientierte Absolventen, die sowas nunmal brauchen ;]
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Beitragvon druid87 » 09.08.08 22:31

Naja ich denke schon, dass du mit den Sachen aus deinem Studium viele Probleme lösen kannst.


Beispiel: IT im BWL Bereich
Dein Chef fragt dich mal eben:
"Ich habe hier Daten, kannst du eine Vorhersage machen?"

Jetzt ist natürlich keine PPT Präsi gedacht, nein das ist i.d.R. schon was komplexer, meistens sollst du die Daten dann Extrapolieren/Interpolieren oder so.

Aber gut, dass du Interpolation an der Uni gemacht hast.

Jetzt hast du aber mehr als eine Datenachse (was in BWL nichts überraschendes ist) und schwupp nu musste dich auf einmal mit mehrdimensionaler Interpolation rumschlagen.

Hm, DiffNum hilft nicht direkt, LA auch nicht, hmhm, jetzt gibts dazu nur Fachbücher, wo so Sachen wie "Newton-Polynom" und "Basis" oder so vorkommen.

Jetzt biste aber richtig froh, dass du doch LA und Diffnum gehört hast, den nun kannst du die sinnvolle Formel aus den Buch entnehmen, die auf dein Problem passt.

Du schreibst jetzt auf, wie man das auch noch numerisch stabil programmiert und nachdem du damit fertig bist fängt schon jemand anders an das zu implementieren. In der Zeit kriegst du schon das nächste Problem und kannst am Ende nur noch mal schaun ob das Programm richtig implementiert wurde.

Soviel zum Thema, was man im Job "braucht".
--

Nichts ist einfach und nichts ist trivial, insbesondere ist das Informatikstudium keins von beiden!
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Re: Fast Diplom -> kann aber noch nichts ??

Beitragvon Michel » 12.08.08 18:22

Hi,
die vertretenen Ansichten sind teilweise extrem. Manche sind (wie anscheinend koalabaer) der Ansicht, dass man nach dem Studium praktisch in 95% der Fälle Programmierer wird, während andere das als eine Art niedere Tätigkeit betrachten und offenbar glauben, dass das Informatik-Studium eine Art direkte Chef-Qualifikation ist. Dass man also Software am Reißbrett entwirft, mehr oder weniger adäquat spezifiziert und dann von FH-Absolventen und ausgebildeten Softwareentwicklern ("Coding-Monkeys") implementieren lässt.

Von 2001 bis Ende 2007 habe ich als Schüler, dann als studentische Hilfskraft bei einem Finanz-IT-Unternehmen in Aachen Laurensberg gearbeitet. Natürlich kann ich nur meine persönlichen Erfahrungen wiedergeben. Ich vermute aber, dass es in vielen anderen Betrieben ähnlich funktioniert, vor allem in kleineren (in meinen Augen interessanteren) Unternehmen.

Die Belegschaft des Betriebes ist seit dem Start im Jahr 2000 bis heute auf über 50 Festangestellte gewachsen, der größte Teil davon ist in der Softwareentwicklung tätig. Hierfür stellt das Unternehmen bevorzugt Informatiker, aber auch Mathematiker und sogar Physiker (!) mit Diplom ein. Unter den mehr als 25 festangestellten Softwareentwicklern sind wenige Studienabbrecher und FH-Absolventen, ein ausgebildeter MTA und nur ein einziger ausgebildeter Programmierer im Bereich Anwendungsentwicklung. Der Rest hat ein Diplom oder (neuerdings) zumindest einen Bachelor.

Der Grund liegt meiner Ansicht nach in den Fähigkeiten, über die Diplominformatiker und andere Mathematiknahe Universitätsabsolventen verfügen:
- Problemlösungsorientiertes Denken
- Präzise Sprache und präziser Problem- und Lösungsbegriff
- Wissen über Algorithmen und deren Entwurf
- Kreativität und Offenheit im Erschließen neuer Problembereiche
- Teilweise zählen auch die Kentnisse in der Optimierung und in Numerischen Algorithmen (also Diffnum)

Ein paar von den Neuzugängen im Lauf der Zeit kamen direkt von der Uni und hatten ähnliche Vorstellungen wie Meisterbrau: Ein Team leiten, Konzepte konzipieren und andere programmieren lassen. Das Problem: Wenn man selbst nicht programmiert hat, weiß man nicht, welche Probleme im Alltag der Softwareentwicklung wirklich auftreten, und was unter Umständen an den konzipierten Lösungen haarsträubend praxisfern ist. Deswegen wurden die meisten Neuzugänge früher oder später von der normativen Kraft des faktischen eingeholt und haben sich, ob Studienabbrecher, Diplomer oder Doktor, erstmal mit elementaren Dingen wie der Versionsverwaltung, der Linux-Arbeitsumgebung und dem Compiler rumgeschlagen.
Verantwortung bekommt man nicht für ein Diplom alleine, sondern weil jemand (der Vorgesetzte) bereit ist, Vertrauen zu investieren. Dieses Vertrauen entwickelt sich im Laufe des Arbeitsverhältnisses. Die drei Dienstältesten Softwareentwickler leiten inzwischen Abteilungen (Ja, sie haben auch Diplome, einer allerdings in Physik).

Wie gesagt, in großen Unternehmen mag das anders aussehen. Hier spielen mangels direkten Kontaktes zwischen den Hirarchieebenen formelle Argumente wie ein Diplom eine größere Rolle, wenn es darum geht, Verantwortung zu bekommen.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass die Studieninhalte für die Softwareentwicklung wertvoll sind. Vor allem wenn man Programmieren als schöpferische Tätigkeit betrachtet und sich nicht bloß als Implementierungshandlanger sieht (das mag manchmal nicht möglich sein, aber so ein Arbeitsverhältnis würde ich beenden):
- FoSAP: seinerzeit habe z.B. ich eine Expression-Language entwofen und implementiert (das Implementieren war der anspruchsvolle Teil, nicht das Design das hier viele so begeistert). Mit den Kentnissen aus FoSAP wäre ich hier systematischer und souveräner vorgegangen, zu einem mächtigeren Ergebnis.
- Datenstrukturen & Algorithmen: Braucht man kaum anzupreisen. Mann sollte als Entwickler wissen, wann welche Datenstruktur zu benutzen ist. Verwunderlicherweise waren hier auch unter den Diplominformatikern oft genug Ausfälle zu verzeichnen.
- Alle Mathefächer: Haben große Auswirkungen für den Denkansatz und eine systematische Herangehensweise an komplexe Informationen.
- Rechnerstrukturen: Einfach mal wirklich verstehen, was man eigentlich tut, wenn man programmiert.
- Systementwicklung: Verstehen, warum bestimmte Probleme auftreten und warum Computer so aussehen wie sie es tun. Paging-Effekte können in der Praxis wirklich Probleme verursachen (Thrashing).
- BuK: Wissen, dass man bestimmte Sachen gar nicht erst versuchen muss, oder dass es manchmal eben nicht besser geht (und manchmal schon).

Also, an Koalaber: Mach Dir keine Sorgen, Du solltest hier eigentlich viele nützliche Dinge gelernt haben, wenn dein Studium so ähnlich aussah wie meines.
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Re: Fast Diplom -> kann aber noch nichts ??

Beitragvon Miss*Sunflower » 12.08.08 18:49

Michel hat geschrieben:Ein paar von den Neuzugängen im Lauf der Zeit kamen direkt von der Uni und hatten ähnliche Vorstellungen wie Meisterbrau: Ein Team leiten, Konzepte konzipieren und andere programmieren lassen. Das Problem: Wenn man selbst nicht programmiert hat, weiß man nicht, welche Probleme im Alltag der Softwareentwicklung wirklich auftreten, und was unter Umständen an den konzipierten Lösungen haarsträubend praxisfern ist.


Es ging glaub ich nicht darum nie programmiert zu haben. Natürlich kann man erst mit Programmiererfahrungen sagen, was machbar ist und was nicht. Die Grundzüge des Programmierens sollte man allemal im Studium lernen. Das man danach nicht direkt in ein Unternehmen kommt und "rumkommandiert" ist auch klar - zu mindestens für mich. Wie du schon gesagt hast: Man lernt im Studium dieses "problemorientierte Denken", was einen weiterbringt. Man kann nicht sagen: "Programmierer mach mal" und dann "schimpfen", dass es anders ist als erwartet, weil man selber absolut keine Ahnung hat, welche technischen Vorraussetzungen vorliegen.
Ebenso hat Meisterbrau in seinem Post u.a. (wenn ich das jetzt noch richtig in Erinnerung habe) einen unserer Profs zitiert, der scheinbar eben dieser Meinung ist.

Ich persönlich finde es wichtig im Studium ein bisschen nebenbei zu machen und selbst zu erarbeiten, denn alles kann man eben nicht auf dem Silbertablett gereicht bekommen.

Jedoch finde ich es gut, dass du deine Berufserfahrung mal ausgepackt hast, darauf kann man auch Neuankömmlinge leiten und ihnen zeigen, was wichtig ist und wofür das Studium da ist. (Haben ja viele immer wieder falsche Vorstellungen)
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Re: Fast Diplom -> kann aber noch nichts ??

Beitragvon Meisterbrau » 13.08.08 00:17

Michel hat geschrieben:Ein paar von den Neuzugängen im Lauf der Zeit kamen direkt von der Uni und hatten ähnliche Vorstellungen wie Meisterbrau: Ein Team leiten, Konzepte konzipieren und andere programmieren lassen. Das Problem: Wenn man selbst nicht programmiert hat, weiß man nicht, welche Probleme im Alltag der Softwareentwicklung wirklich auftreten, und was unter Umständen an den konzipierten Lösungen haarsträubend praxisfern ist. Deswegen wurden die meisten Neuzugänge früher oder später von der normativen Kraft des faktischen eingeholt und haben sich, ob Studienabbrecher, Diplomer oder Doktor, erstmal mit elementaren Dingen wie der Versionsverwaltung, der Linux-Arbeitsumgebung und dem Compiler rumgeschlagen.


das ist mir auch völlig klar, natürlich wird man nicht direkt von der uni auf nen chefposten eingestellt, es stehen ja auch in stellenauschreibungen für solche positionen immer dinge wie "3 jahre berufserfahrung" etc drin. Mir ging es da schon um die mittel- bis langfristige perspektive, und die aufstiegschancen sind nunmal mit nem abschluss deutlich besser als ohne. Klar, während und die ersten Jahre nach dem Studium würd ich auch programmieren, insbesondere wenn sich sonst nichts findet, aber als längerfristiges Berufsziel muss da in meinen Augen einfach ne gehobene Position sein. Ohne solche Ziele ist das Studium sonst imho wirklich Zeitverschwendung.
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